Ein Buch ist ja keine Drehorgel, womit uns der Invalide unter dem Fenster unerbittlich die Ohren zermartert. Ein Buch ist sogar noch zurückhaltender, als das doch immerhin mit einer gewissen offenen Begehrlichkeit von der Wand herabschauende Bildnis. Ein Buch, wenn es so zugeklappt daliegt, ist ein gebundenes, schlafendes, harmloses Tierchen, welches keinem was zuleide tut. Wer es nicht aufweckt, den gähnt es nicht an; wer ihm die Nase nicht gerade zwischen die Kiefern steckt, den beißts auch nicht.

Wilhelm Busch deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller

August 17, 2009

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Wie aus dem Nebel taucht plötzlich das übergroße Gesicht Christopher Walkens auf. Ohren und Haare verschwinden bereits im Dunkel des Hintergrunds, aber Haut, Augen, Nase und Mund wirken seltsam klar und scharf. In Walkens Blick spiegeln sich zwei Neonröhren, und auch sonst wirkt das Foto des deutschen Fotografen Martin Schoeller aus dem Bildband Close up merkwürdig unrealistisch. Nicht nur, dass man einem Filmstar selten so nah gekommen ist. Irgendwie scheint das Bild gar kein Foto zu sein, sondern eher ein hyperrealistisches Kunstwerk in der Manier von Chuck Close oder Gottfried Helnwein.

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August 17, 2009

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Aus einigen hundert Metern Höhe und mit den Augen des Photographen Alex MacLean gesehen, erweist sich Amerika, »das Land der unbegrenzten Möglichkeiten«, einmal mehr als Vorreiter – auf dem Weg in die ökologische Katastrophe. Da werden Golfplätze, Reihenhaussiedlungen und ganze Städte mitten in die Wüste gebaut, neue Ferien-Hochburgen entstehen unmittelbar an ansteigenden und orkangefährdeten Meeresufern, Kohle- und Kernkraftwerke gewaltigen Ausmaßes beziehen ihr Kühlwasser aus natürlichen Gewässern und schicken es auch wieder dorthin zurück.

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August 17, 2009

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Irgendwie ist ein Irgendwo immer wie ein Nirgendwo.
Michael Schmidt gehört zu den wichtigsten deutschen Fotografen, jedenfalls sieht man das im Ausland so beziehungsweise im Museum of Modern Art, New York, wo Schmidt als erster lebender deutscher Fotograf eine Einzelausstellung ausgerichtet bekam. Die neue Bildserie „Irgendwo“ ist Ergebnis einer Reihe von Reisen, die Schmidt gemeinsam mit seiner Frau im Wohnwagen unternommen hat, um der deutschen Provinz ein gültiges Antlitz abzutrotzen.

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